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Case · 01 Musiksneak Frankfurt

Aus einem vergessenen Raum wurde
eine Marke, die sich trägt.

Auftraggeber Jahrhunderthalle Frankfurt
Zeitraum seit 2017 · Marke läuft bis heute
Leistung Marke · Konzept · Booking · Dramaturgie

„It's a Long Way to the Top If You Wanna Rock 'N' Roll." Was AC/DC 1975 über Musikkarrieren sangen, gilt auch für Räume. Die meisten Locations versuchen den schnellen Hit. Wenige bauen Marken, die acht Jahre später noch tragen.

2017 kam die Jahrhunderthalle Frankfurt auf mich zu. Oben auf der großen Bühne hatten Janis Joplin, Jimi Hendrix, Tina Turner und Johnny Cash gespielt. Geschichte mit Gewicht. Die Halle ist eine Frankfurter Institution. Aber die 60er-Jahre-Bar darunter war seit Jahren still. Ein Raum mit Vergangenheit, ohne Gegenwart.

Wer kennt das nicht: Da steht ein Ort, der eigentlich alles hat — Lage, Geschichte, Atmosphäre — und nichts passiert.

Vom Ende her gedacht

Der eigentliche Engpass war nicht „ein neues Konzertformat in Frankfurt". Davon gibt es genug. Wir sind anders rangegangen — vom Ende her und Schritt für Schritt.

Warum überhaupt? Die Antwort der Jahrhunderthalle war klar: Wir wollen diesen Raum beleben. Wir wollen diesen zweiten bedeutsamen Ort der Stadt zurückgeben. Menschen, die sich begegnen. Etwas trinken, feiern, da sein — so wie damals. Es ging nicht um ein Konzept um des Konzepts willen. Es ging darum, einem schlafenden Ort wieder Leben einzuhauchen.

Was machen wir damit? Wenn wir den ursprünglichen Spirit zurückholen wollen, brauchen wir das, was diesem Raum historisch Leben eingehaucht hat: künstlerischen Flair. Das Mittel der Wahl war damit gesetzt — Konzerte. Aber Konzerte gibt es überall. Und die Jahrhunderthalle steht in Frankfurt-Höchst, nicht in der Innenstadt.

Wie schaffen wir es, dass jemand extra dorthin fährt? Genau das war die eigentliche Designaufgabe. Die Leute können in Frankfurt bleiben. Sie müssen einen Grund haben, sich auf den Weg nach Höchst zu machen und dort etwas zu erleben, das es woanders nicht gibt. Auf diese Frage haben wir eine Antwort gefunden.

Das Konzept

Die Antwort war die Musiksneak. Drei Bühnen, kreisförmig ums Publikum gebaut. Kein Frontalsetting, kein „wir gegen ihr". Der Raum gibt eine zirkuläre Anordnung her, also haben wir genau die genutzt. Drei Acts pro Abend, ohne Vorabankündigung. Und ein fester Moderator: der Poetry-Slammer Finn Holitzka, den ich für das Format gewinnen konnte. Er eröffnet jeden Abend von einer Schaukel mitten im Publikum, mit einem lyrischen Intro, bevor die erste Note fällt.

Stell dir das vor: Du kommst rein, weißt nicht wer spielt, das Setting ist rund statt frontal, und der Abend beginnt mit Poesie auf einer Schaukel. Das Versprechen an die Gäste war nicht ein Künstlername auf dem Plakat — es war Vertrauen. Ins Booking, ins Setting, in den Abend.

Stakeholder im Konzept mitgedacht

Ein Format hält nur, wenn alle Beteiligten ihren Nutzen haben. Bei der Musiksneak waren das vier Gruppen, und für jede musste die Antwort stimmen. Die Künstler bekommen eine kuratierte Bühne mit ernsthafter Tonqualität und ein Publikum, das wegen des Formats da ist, nicht wegen prominenter Namen. Das ist echte Aufmerksamkeit. Die Jahrhunderthalle bekommt ein zweites Standbein neben den Großveranstaltungen — ein wiederkehrendes Format mit eigener Marke, das kulturelle Strahlkraft in die Stadt zurückgibt. Die Gäste bekommen etwas, das es so woanders nicht gibt: einen Abend, an dem man sich überraschen lassen kann und Freunde mitbringt, weil das Konzept überzeugt, nicht der Lineup. Und wir, die Macher, bekommen ein Format, das sich trägt: wirtschaftlich, organisatorisch, künstlerisch. Wenn alle vier Antworten stehen, hast du keinen Eventmonat. Du hast eine Marke.

Was ich konkret gebaut habe

Was nicht da war, musste entstehen: die Marke, das Konzept, der Slogan, das Logo, die Raumdramaturgie. Ich habe nicht beraten — ich habe gebaut.

Im Detail: Ich habe die Bühnenanordnung skizziert und mit der Hallentechnik durchgespielt. Ich habe Finn Holitzka gefunden und als Format-Anker gewonnen. Ich habe die Künstler-Pipeline aufgesetzt — also die Logik, welche Acts auf welcher Position und mit welchem Versprechen laufen — und die Booking-Strategie definiert. Die ersten Konzerte habe ich komplett selbst gemanagt, von der Akquise der Künstler bis zum Abend selbst. Ticketverkauf und Pricing haben wir gemeinsam mit der Jahrhunderthalle entwickelt.

Was schwer war

Das größte Risiko war nicht das Format selbst. Es war die Frage, ob ein Publikum nach Frankfurt-Höchst fährt — für drei Acts, deren Namen es nicht kennt. Vertrauen war alles, was wir verkauft haben.

Konzipiert haben wir das Format gemeinsam, in einem starken Team auf Seiten der Jahrhunderthalle. Dazu gehörten die damalige Geschäftsführerin Uschi Ottersberg, der Prokurist Moritz Jeschke (heute Geschäftsführer der Jahrhunderthalle Frankfurt) und Ellen Giersberg. Ohne diesen Zirkel wäre die Musiksneak nie in der Form entstanden, in der sie heute läuft.

Der erste Abend war ein direkter Erfolg. Maßgeblichen Anteil daran hatte Ellen Giersberg mit ihrer Pressearbeit — sie hat das Konzept im Vorfeld dort platziert, wo es ankam. Was als unsicheres Experiment begann, hatte ab Abend eins ein Publikum.

Was es bedeutet hat

Heute, fast acht Jahre später, ist die Musiksneak feste Größe im Frankfurter Konzertkalender. Eigene Marke innerhalb der Jahrhunderthalle. Wiederkehrendes Publikum. Regelmäßige Auslastung eines vorher ungenutzten Raums. Ein Format, das Hand und Fuß hat — wirtschaftlich wie markentechnisch.

Eigentlich ging es nie nur um Musik. Es ging darum, einen Ort zu beleben. Und das Prinzip ist übertragbar — auf andere Räume, Marken, Strukturen, die ihre Bedeutung erst noch finden müssen.

Du hast einen Raum, der Bedeutung braucht?

Ob Konzertformat, Marke oder Vertriebsstruktur — wenn etwas nicht greift, finde ich den Engpass und löse ihn. 30 Minuten reichen meist, um zu sehen, wo es wirklich hängt.

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