Frankfurt hatte alles.
Außer dem, der anfängt.
„Songs From A Room." Was 2009 in einem Londoner Wohnzimmer anfing, ein paar Freunde, leise, ohne Smartphone-Lärm, wurde zur globalen Bewegung. Bis 2015 lief Sofar Sounds in dutzenden Städten weltweit. Frankfurt war nicht dabei.
2015 war ich Wirtschaftsstudent an der Goethe-Universität Frankfurt und vermisste die Live-Musik-Szene, die ich aus Berlin und Hamburg kannte. Frankfurt hatte Konzertbühnen. Frankfurt hatte den Mousonturm. Frankfurt hatte die Alte Oper. Aber das, was Sofar-Sounds-Abende ausmachte, das gab es hier nicht: wildfremde Menschen, die in einem Wohnzimmer sitzen und drei Acts entdecken, deren Namen sie nicht kennen.
Wer kennt das nicht: Du sitzt in einer Stadt, die alles haben könnte, und merkst, dass etwas Bestimmtes einfach fehlt.
Vom Ende her gedacht
Ich habe mich gefragt, wie ich meine Wochenenden in Frankfurt eigentlich verbringen wollte. Nicht im Allgemeinen, konkret. Welcher Abend würde mich nach Hause schicken mit dem Gefühl, etwas Echtes erlebt zu haben? Die Antwort war klar: ein Abend, an dem ich nicht weiß, was kommt. In einem Raum, der eigentlich keine Bühne hat. Mit Menschen, die wegen der Musik da sind, nicht wegen der Drinks.
Das war kein abstrakter Wunsch, das war eine Designvorgabe. Wenn ich diesen Abend wollte, mussten Hunderte andere ihn auch wollen. Und wenn keiner ihn baute, musste ich es selbst tun.
Der eigentliche Engpass war nicht „Frankfurt ist nicht musikalisch genug." Frankfurt hatte alles, was man braucht: Räume, Menschen, Geld, Aufmerksamkeit. Was fehlte, war jemand, der anfängt.
Grünes Licht aus London
Also bin ich nach London geflogen, habe ein paar Sofar-Sounds-Abende besucht und mich danach mit Rafe Offer getroffen, einem der Sofar-Gründer. Ich habe ihm den Plan für Frankfurt vorgestellt, und er gab mir die Zusage. Im Frühjahr 2015 hatten wir die offizielle Erlaubnis und den Support, das Format in Frankfurt zu betreiben.
Was ich konkret gebaut habe
Was nicht da war, musste entstehen: Team, Räume, Künstler-Pipeline, Audience. Ich habe nicht moderiert, ich habe gebaut.
Im Detail: Ich habe ein kleines Team aufgebaut, mit Videograf:innen, Fotograf:innen, Booker:innen und operativen Helfer:innen. Menschen, die nicht für Geld kamen, sondern weil sie das Format genauso wollten wie ich. Wir haben Räume gefunden, die vorher nie als Bühnen gedacht waren: Cafés, Hotels, später Museen, Banken, Privatwohnungen. Wir haben internationale Künstler:innen gebucht: aus Israel, Mexiko, Brasilien, Italien, England. Bei uns spielten Acts wie Faber, TheAngelcy oder AB Syndrom.
Vor allem aber haben wir Menschen zusammengebracht, die sich sonst nie im selben Raum gesehen hätten: Studierende, Künstler:innen, Unternehmer:innen, Kulturschaffende. Die Mischung war Teil des Versprechens.
Was schwer war
Das größte Risiko war nicht das Format. Sofar hatte sich international längst bewiesen. Das Risiko war: ob Frankfurt dieses Format auch will. Ob Menschen ohne bekannten Lineup zu einem Abend in einem fremden Raum kommen. Das ist Vertrauen, und Vertrauen baut sich nicht in einem Konzert.
Die ersten Abende waren klein. Aber sie waren echt. Wer einmal da war, kam wieder und brachte Freunde mit. So entstand die Audience: nicht über Marketing, sondern über das Format selbst.
Was es bedeutet hat
Drei Jahre habe ich Sofar Sounds Frankfurt aktiv aufgebaut. 2018 bin ich nach Berlin gegangen und habe die Reihe an ein neues Team übergeben. Heute, fast zehn Jahre später, läuft Sofar Sounds Frankfurt immer noch.
Sie hat sogar Corona überlebt, weil das Fundament trug. Das Vertrauen der Frankfurter:innen in die Marke war so groß, dass sich nach der Pandemie alle freuten, wieder loszulegen.
Eigentlich ging es nie um ein Konzertformat. Es ging um die Frage: Was passiert, wenn man nicht wartet, dass jemand anfängt? Und das Prinzip ist übertragbar auf Marken, Städte, Strukturen, denen nur noch der erste Schritt fehlt.
Du brauchst jemand, der anfängt?
Egal ob Marke, Vertriebsstruktur oder Format. Wenn etwas hängt, finde ich den Engpass und löse ihn. 30 Minuten reichen meist, um zu sehen, wo es wirklich hängt.
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